Eigentlich stand diese Spiel unter wenig guten Vorzeichen. Der Capitano war krank und sein Kommen ungewiss, ich hatte die Fahne und das ungute Gefühl sie irgendwo vergessen zu wollen und von den anderen Piraten war seit Tagen nichts zu hören gewesen. Am Einlass wurde es auch nicht besser, da so ein blöder Leuchtwestenträger unbedingt die GANZE Fahne sehen wollte und meine Bemerkung: "Wer den größten hat, muss nicht zeigen!" gar nicht witzig fand. Außerdem hatte er Zweifel. An der Größe.
Nichtdestotrotz ermutigte mich dieser glimpflich verlaufene Zwischenfall den Aufbau der Fahne eigenständig in Angriff zu nehmen. Mit Hilfe von extra mitgebrachtem, überlagertem Klebeband, dem Simon und seinem Freund, dessen Name ich mir nicht merken kann, war das auch schnell geschafft und ich richtete das lange Teil, auf um sie gekonnt einzuwickeln, wie ich das beim Capitano schon hunderte Male gesehen hatte. Dummerweise schlugen hier das negative Karma und der böige Wind, die beide diesen Tag begleiteten, wieder zu und ich war froh, als die ellenlange Stange mit daneben hängendem Tuch auf dem Zaun lag und niemanden getötete hatte.

Langsam trudelten weitere Piraten ein, wobei mein Fauxpas nicht sofort bemerkt wurde. (Insiderinfo: Weil alle froh sind, wenn sie das unhandliche Teil nicht in die Hand nehmen müssen.) Erst der Frank ahnte, dass da was nicht stimmte und begann jetzt, mir mehrfach das Versprechen abzunehmen öffentliche Selbstkritik zu üben, nur weil ich ihm Grunzgeräusche beim alkoholbedingten Schlummern angedichtet hatte
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Richtig übel wurde es, als der Capitano mit geschwollenem Gesicht und Leidensmiene auftauchte, um an diesem gebrauchten Tag ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, die Flagge hochriss und sämtliche Klebebandverbindungen ihren Dienst versagten. Die Stange schrumpfte zusammen, ein würdevolles Wedeln war nicht mehr möglich und ich stand da wie ein Bettseicher. Der Frank genoss diese blamable Vorstellung sichtlich und selbst die mir sonst so wohlgesonnenen Baumpiraten aus dem Westerwald schüttelten missbilligend den Kopf. Wo der Simon und sein namenloser Freund abgeblieben waren, weiß der Klabautermann!
So tief unten konnten nur noch Sex und ein Sieg der Mannschaft helfen. In meiner Verzweiflung versprach der sabbernden Meute um mich herum, ab jetzt in jeden Spieltagsfilm erotische Überraschungen einzubauen. Die Jungs auf dem Rasen hatten meine prekäre Lage auch verstanden und fegten den selbsternannten Aufsteiger aus dem Stadion. Selbst der Käpt'n setzte ein Zeichen des Wohlwollens und erklärte mir in der Pause, wie Klebeband um Plastikstangen gewickelt wird.

Alles hätte noch so schön werden können, wäre da nicht dieses verdammte negative Karma: Zuhause angekommen, stellte sich sämtliches Filmmaterial als unbrauchbar heraus, da es wie durch Zauberhand mit einer Selbstüberlagerung (Das führt jetzt irgendwie zu weit.) ausgestattet war. Mein erotisches Versprechen bleibt fürs erste unerfüllt und wenn ich das meiner Frau erzähle, weiß ich ganz genau, was die sagt.....

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