Totenkopf Schal
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Was die Rheinzeitung nicht zu drucken wagte

 

Der Typ war mir bestimmt schon mal irgendwo begegnet. So ein doofer tätowierter Hilfsbayer mit schwarz-rotem Schal reckte 9 Finger in die Höhe und ich konnte nicht wegsehen. Beinahe wäre er vor einen Lampenpfahl gelaufen, der Blödmann. Vor dem Tunnel zum Stadion waren alberne Pfeile mit HIN und RÜCK aufgemalt. Nächstens bekommen Auswärtsfans noch Blindenhunde oder was? Die Kartenhäuschen vor dem Stadion wurden gerade geöffnet.  NEUN Euro fuffzig, es gibt doch Ermäßigung vor Ort. Das holde Kassenfräulein lernt dazu. Capt’n und Jack saßen schon in der rauchigen Spelunke vor dem Oberwerth und warteten auf das nächste Bier.


Ist euch aufgefallen, dass wir uns vor Spielen vor allem darüber unterhalten, zu welchem Spiel wir als nächstes fahren?


Die Motorradgang aus dem Wald ging mit mir rein und sicherte den Standort. Das Banner musste ich viel zu weit Richtung Haupttribüne hängen. Es gibt Mütter, die mit ihren 6jährigen Kindern zum Fußball gehen. Ich finde Spielplätze auch  nicht so übel, aber wahrscheinlich wird es bald Lollies an der Bratwurstbude geben. Irgendjemand hatte sich auch was Schönes ausgedacht und mit seiner Mutti mal einen ganzen Nachmittag verbracht und die Schreddermaschine gequält. Wir bekamen alle blaue, schwarze und gelbe Papierstreifen in die  Hand und freuten uns darauf, diese cheerleadermäßig in die Höhe zu wuscheln. Auf dem Turm war schon wieder der André, der anscheinend sein Lance Armstrong Gedächtnis Comeback gegeben hat. Wir nahmen das zum Anlass im Block das Gerücht zu verbreiten, der EX-Vorsinger Krufter hätte Stadionverbot.


In jedem Stadion hängen Ultras Banner  a la WIR DENKEN AN DIE AUSGESPERRTEN auf. Ich mag das. Und darunter sitzen Bullen und weinen bitterlich.


Nach gefühlten 4 Sekunden fiel das 0:1 und ich wäre gerne wieder gegangen. Jedes Mal steht ein Armleuchter neben mir, der sein Leben in irgendeiner Jahrmarktslotterie gewonnen hat. Diesmal hatte ich das Vergnügen mit einem abgebrochenen Hyperaktiven mit wachem Basketballverstand. Hatte halt das falsche Stadion erwischt, der Vollpfosten. Nach etwa 10 Minuten fing die Diskussion an. Jeder im Block hatte einen wichtigen destruktiven Beitrag und die Ultras sangen eine Viertelstunde dasselbe Lied. Mein neuer Freund mit der Gehirnprothese fragte mehrmals, ob das wahr sein kann und ich hätte wahnsinnig gerne ein Bengalo in seinen Hintern gesteckt. Als Mahnung und um die Stimmung aufzuheitern, die ziemlich am Boden lag. Vielleicht weil der Wibli und unser neuer Kapitän sich Fehlpässe vor dem Strafraum zuspielten, vielleicht aber auch weil dem André partout kein verdammtes neues Lied einfallen wollte, das wenigstens ein paar  Leute im Block 1 schon mal gehört hatten.


Die neuen kleinen Betonstufen sind total doof zum Hinsetzen in der Halbzeit.


Das Piratenpack boykottierte den Support in der 2. Halbzeit fast vollständig. Nur der Lutz glaubte ab und zu noch an die Außenwirkung seiner Stimme.  Der Linienrichter merkte, dass es notwendig war ein Zeichen zu setzen und  massakrierte sein Fähnchen. Ein Lichtblick, nicht mehr.  Der Uwe wechselte Marco Lomic ein. Da konnte auch der Linienrichter nichts gegen tun. Als das 1:1 hineinkullerte, war ich gemeinsam mit Paddy schon so tief in der Depression, dass es schwer fiel, sich richtig zu freuen.


„ Ich habe eine Halbzeit supportet, jetzt sind DIE DA UNTEN dran!“

 

Bodo

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