1.FC Köln – FC Kaiserslautern 2:1
17.12. 2007, Rheinenergie Stadion Köln, 46 000 Zuschauer
Es war Weihnachten und ich war die einzige Chance für den FC-Fan Michael zum Spiel zu kommen. Was tut man nicht alles, dachte ich. Außerdem begleite ich gerne Scheißkaiserslautern ein Stückchen auf dem Weg in die Hölle. Also ging ich an einem kalten Montagabend im Dezember auf das erleuchtete Stadion zu.
‚Da hatte wieder jemand etwas zu kompensieren‘, schoss es mir angesichts der riesigen Leuchtpfähle an den vier Stadionecken durch den Kopf. Die Polizei hatte mehr Probleme mit dem Licht und bastelte verzweifelt an einer Wegbeleuchtung rum. Man vergisst die ganzen Kleinigkeiten schnell, wenn man Hunger und Durst hat. In Köln haben sie jetzt auch die Allianzarena-Gedächtniskärtchen eingeführt, mit denen man erreicht, dass man nun nicht nur bei Bier und Würschtle ansteht, sondern auch bei dem Schwulen, der einem die Karte wieder auflädt. Es gibt Bockwurst in Köln!! Es gibt garantiert auch Bockwurst am Christopher-Street-Day! Wahrscheinlich rieche ich auch unangenehm nach dem Verzehr einer Bockwurst. Die Securityheinis fassten mich nicht an. Ich ärgere mich in solchen Momenten, dass ich es nie probiere mit den Bengalos. Nur so als Zeichen. Okay, dieses Mal hätte sowieso niemand mein Zeichen gesehen, denn ich saß so weit oben und weg wie niemals zuvor in einem Stadion. Dritte Reihe von oben, da hat man das Gefühl man schaut aus dem Hubschrauber aufs Spielfeld. Gesichter oder Rückennummern waren nicht zu erkennen. Falls der Helmes rechten Verteidiger gespielt hätte, ich hätte es nicht bemerkt. Zu dem hatte ich das zweifelhafte Glück, dass sich die Lauterer auf meiner Seite des Stadions warmmachten.
Nicht mal die Panik in Kjetil Rekdals Gesicht war zu erkennen. Eine verschenkte Chance. So wie einige der Kölner während des Spiels.
Nach einer Ecke stand es auf einmal 1:0 für K‘lautern. Was ein Beschiss. Sitzplatz für mehr als 20€ und man erkennt nur am Jubel der Bauern, dass der Ball im Netz ist. Neben mir ein bulliger Typ mit geöltem Gesicht und Lederjäckchen zündete sich einen Megajoint an, der stank wie Ziegenkacke. Womit wir beim albernsten an der ganzen albernen Show sind, die sie in Köln rund um das Spiel zelebrieren: Hennes der Ziegenbock.
Tierquälerei und absolut hirnrissig. Als würde man bei Spielen auf dem Oberwerth einen besoffenen Studenten im Plüschmännchenkostüm durchs Stadion treiben. Trotz Hennes wurde noch alles erträglich. Obwohl Kaiserslautern sehr gut gestaffelt stand, (Das sieht man nämlich prima von oben und muss man den Blödmännern lassen.) wollte Köln unbedingt gewinnen und deswegen waren sie an diesem Tag besser. Lustigerweise machte sich in der 80. Minute schon Weltuntergangsstimmung auf der Tribüne breit und nach dem 2:1 sangen alle vom Aufstieg und die Spieler rannten mit affigen Weihnachtsmützen über den Rasen
und freuten sich über so viele Bekloppte. Ich hatte auch meinen Spaß an all den jecken Typen und ging nach dem Spiel nochmal auf die Haupttribüne um mich über die verdammt gute Sicht dort zu ärgern. Auf dem Rasen standen Christoph Daum und der Kjetil im Interview mit dem DSF.
Der eine höchstens so groß wie Fatmir Vata und garantiert voller Komplexe deswegen, der andere mit ganz viel Panik im Gesicht. Ich wusste es!!
Bodo