TUS Koblenz – FC Erzgebirge Aue 2:1
15.5.2007, Stadion Oberwerth, 13600 Zuschauer
Koblenz (pir-con) Vor dem entscheidenden Spiel der einheimischen TUS Koblenz um den Verbleib in der zweithöchsten Profispielklasse gingen bei den einschlägigen Behörden vermehrt anonyme Hinweise ein, Frauen und Kinder könnten, verkleidet als radikale Anhänger der Heimmannschaft, bösartige Rauchchinaböller in das Stadion Oberwerth schmuggeln. Der Sicherheitsdienst wurde daraufhin veranlasst besonders diesen Personenkreis unter die Lupe zu nehmen, im Zweifelsfall doppelt zu kontrollieren und jedes auch noch so eklige Taschentuch auseinander zu falten.
Im Nachhinein muss hier ein tragisches Versagen der Sicherheitsdoktrin betrauert werden, da andere, weitaus krimineller gestimmte Subjekte so mühelos den Weg in den Block fanden. Einer diese Fanatiker trug die Utensilien des Fanclubs Pirata-Confluentes, sah fast aus wie ein Kay und konnte sich durch Schmeicheleien und alkoholische Getränke Zugang in den Stehbereich der Clubmitglieder erschleichen. Nachdem er sich sicher fühlte, packte er die erste Untat aus dem Rucksack und verteilte Sie im ganzen umstehenden Block. Gelbe, blaue und schwarze Luftballons sollten im Schweiße des Angesichts aufgeblasen werden. Jede weitere Anweisung unterblieb jedoch , was zu unbeschreiblichem Chaos und fragenden Gesichtern führte. Dies alles war jedoch nur ein Vorgeschmack auf die unglaubliche Boshaftigkeit zu der sich der Möchtegernpirat dann erdreistete. Als ein freundlicher Sponsor der TUS Bälle im weiten Rund verteilen ließ und ein Ball punktgenau auf den Pirat Bodo zuflog, schnellte der Bösewicht nach oben und klaute den heran fliegenden Ball. Lähmendes Entsetzen rundum, aber natürlich traute sich niemand dem Räuber entgegenzutreten, weil gleich darauf auch die Mannschaften einliefen und nun wie durch Geisterhand gesteuert der halbe Block seine Luftballons losließ, was ein schönes und versöhnliches Bild ergab.
Vermutlich nervös geworden von den ungewöhnlichen Vorgängen auf den Rängen, begann die Mannschaft der TUS zerfahren und es bedurfte einer schönen Einzelleistung von Johannes Rahn und etwas Glück um nach einer Viertelstunde bereits in Führung zu gehen. Doch schon jetzt zeigte sich, dass der Frieden im Umfeld des Fanclubs Pirata-Confluentes nur vorübergehend war. Im Gefühl von bösartigen Ballräubern unterwandert worden zu sein, ebbte die gute Stimmung schon bald nach dem Tor ab und weder Einpeitscher André noch die vor den Zäunen stehenden Sicherheitsbeamten schafften es, die Massen entscheidend mitzureißen. Zum Glück schoss am Ende der ersten Halbzeit Christoph Babbatz entgegen seinen bisherigen Gewohnheiten gefühlvoll und ungewollt den Ball ins lange Eck. Jetzt kochte die Nordkurve wieder und sogar der böse Sponsorengeschenkeklauer ließ sich von der positiven Grundstimmung und dem ausgelebten Optimismus kurzzeitig anstecken. Mitte der zweiten Halbzeit lief die Laolawelle durchs Stadion und alles hätte gut werden können, aber dann erwachte die Bosheit wieder und der fiese Ballräuber nutze seine vermutlich hervorragenden Drähte zur Unterwelt um nochmal Spannung auf den Rasen zu zaubern. Andreas Richter verursachte einen ziemlich unnötigen Strafstoß, bei dem Dennis Eilhoff keine Chance hatte. Die Restmannschaft war nur kollektiv verunsichert, zitterte die Minuten bis zum Schlusspfiff aber irgendwie nach Hause. Im Block selber war nun eine euphorische Stimmung auszumachen, die nur durch das Öffnen der Tore zu regulieren war. Jubelszenen auf und vor der Tribüne wechselten sich mit fröhlichen Gesängen und Rufen der Fans ab. Hier war klar, hatten boshafte Gedanken ebenso wenig Platz wie Sicherheitsbedienstete, die das Klettern über Zäune verbieten oder untergetauchte Ballkidnapper suchen möchten. Am Ende des Tages sah die Stadt Koblenz eine riesen Nichtabstiegsparty auf dem Görres-Platz und einige unglückliche Security-Mitarbeiter, die ihre eigenen Sicherheitsrichtlinien verfluchten und verzweifelt nach einem Mann mit einem roten Ball in einer Plastiktüte fahndeten.
Bodo