TuS Koblenz – Alemannia Aachen 0:0
14.Dezember 2007, Stadion Oberwerth, 11402 Zuschauer
Geheimbericht von Hermann Gepunkt
Wollte mir diese Bande nochmal anschauen, bevor ich für immer hier verschwinden muss. Kann ja nicht sein, dass ich jetzt für alles verantwortlich bin. Als Obermacker muss man ans große Ganze denken. Zum Erbsenzählen hat man billige Angestellte.
Hoffentlich erkennt mich keiner von den Sicherheitsleuten. Schließlich haben sie mir ihre hübschen gelben Jacken zu verdanken. Ja toll, grabsch mir doch noch mehr unter die Achsel, du Präsidiumsmitglied! Warum lag auch gerade eine Karte für Block 1 rum, als ich schnell abhauen musste. Okay, ich bin drin. Geld hab ich ja genug, da gönn ich mir mal eine Brezel und einen Glühwein.
Stehe jetzt mitten im Block ein bisschen neben dem Fernsehturm. Finde schon klasse, was ich hier aufgebaut habe. Alles trägt meine Handschrift . Die werden sich sowieso noch wundern. Aber jetzt darf mich erstmal keiner erkennen. Nebenan packt einer mit Kopftuch eine Riesenfahne aus. Der Typ ist sicher Schwerverbrecher. Was für Leute! Jetzt kommt noch einer und hilft ihm. Die Fahne hab ich auch noch nie gesehen. Was interessiert mich auch, wie der Pöbel die 90 Minuten verbringt.
Es kommen immer mehr Leute und ich ziehe mir den Schal lieber übers Gesicht. Irgendeiner erkennt einen immer. Da läuft auch dieser Torwart, der nicht mit mir zusammen jubeln wollte, aufs Feld. Super. Und die Meute tobt. Etwas später kommt die ganze Mannschaft und hampelt auf dem Rasen herum. Wenn ich die ganzen Gesichter sehe! Da hat sich doch keiner richtig angestrengt. Normalerweise müssten wir mit diesen, von mir ausgesuchten und bezahlten Leuten locker um den Aufstieg mitspielen. Und dann würden mir die Larven hier zu Füßen liegen, statt mich aus der Stadt zu jagen. Dauerndzu rempelt mich jemand an. Bin ich erkannt? Nur der Schwerverbrecher mit der Fahne hat seine eigenen Probleme. Muss ne riesen Leistung sein, das Ding zu schwenken.
Das Spiel beginnt und ich bemerke, dass drei Schnösel, die zu Aachen halten, neben mir stehen. Auch das noch. Kann die mal ein Ultrafan verdreschen? Ach, die sind ja wieder nicht da. Boykottieren, weil sie ihre Taschentücher nicht am Zaun aufhängen dürfen. Fußball ist so ein Proletensport! Ob ich jemals wieder in ein VIP-Zelt reinkomme?
Das Spiel zieht sich so dahin. Auf dem Zaun versucht einer der Menge Leben einzuhauchen. Gelingt nicht wirklich. Ich selbst kann die Arme auch gar nicht hochreißen, da mir dann der Schal vom Gesicht rutschen würde. Zu gefährlich. Plötzlich brandet Jubel auf. Eine rote Karte leuchtet übers Spielfeld. Die blöden Aachenfans neben mir brummeln was von ungerecht und vorbei und kann nicht wahr sein. Das denke ich auch, als der Elfmeter verschossen wird. Vielleicht hätte ich mich doch mehr durchsetzen sollen, als im Herbst auch das Training übernehmen wollte. Mit meiner Intuition wäre so viel möglich.
Anfang der 2. Halbzeit scheint stimmungstechnisch der Höhepunkt erreicht. Für kurze Zeit singen die ganzen Schalträger um mich rum alle gemeinsam und die drei Flachpfeifen aus Aachen fühlen sich sichtlich unwohl. Die Angestellten auf dem Rasen bemühen sich ein Tor zu schießen, scheitern aber dauernd an dem eingewechselten Torwart. Vielleicht sollte ich mir den merken. Das ist, wie ich gehört habe, sein letztes Spiel für diese Truppe und möglicherweise finde ich ja einen tollen Klub irgendwo im Osten, den ich ganz toll nachvorneruinieren kann. Wer möchte schon leitender Angestellter sein, bei einem Verein, der zweimal hintereinander NULL zu NULL spielt. Ich jedenfalls nicht.
Aus Sicherheitsgründen warte ich lange, ehe ich das Stadion verlasse. Ich traue diesem Pack auf den Stehplätzen nicht über den Weg. Wie Recht ich damit habe, sehe ich draußen vor den Stadiontoren. Die Meute bricht in ihren eigenen Fancontainer ein und plündert vermutlich zwei dutzend Handtaschen. Ich muss weg hier! Das ist definitiv kein guter Umgang für mich.
Bodo