Totenkopf Schal
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TuS Koblenz – FC St. Pauli 1:1
15. Februar 2008, Stadion Oberwerth, 11352 Zuschauer

 

Diesmal traf ich mich mit Rainer vor dem Spiel, weil unsere Fahne kaputt war. Das muss man sich mal vorstellen. Ein Invalide und ein handwerklich völlig unbegabter Akademiker müssen komplizierte Gedanken – und Bewegungsabläufe nachvollziehen, damit eine völlig überdimensionierte Flagge wieder wedeln kann! Und wenn man einmal über komplizierte Bewegungsabläufe nachdenkt, dann fällt mir sofort die Einlasskontrolle wieder ein. Hilfsbereit nur einmal und sich auch nicht zu schade, Menschen mit Handicap den Rucksack von der lädierten Schulter zu reißen.
Wir stellten begeistert fest, dass mittlerweile unser Platz auch wieder unser Platz ist und ich kullerte vor Begeisterung erst mal die Fahnenstange die Ränge hinunter. Rainer fand das weniger angebracht, aber ich kann nicht auf alle Randgruppen Rücksicht nehmen. Der Hans kam ohne Schal und erzählte eine erschreckende Geschichte vom Verlieren beim Pullern, was in mir schlechte Vorahnungen aufsteigen ließ. Die Blueboys kamen wie immer viel zu spät und drängelten sich mit ihrem Biervorrat wieder bei uns durch und endlich kam auch der Frank, auf den wir alle warteten, weil er angekündigt hatte, heute wieder bereit zum Wedeln zu sein. Seit der Rainer seine Gesundheit an einem unschuldigen Pfosten verlor, hatten wir noch keinen adäquaten Wedelersatz gefunden  und jetzt wollte der Altmeister, gerade von einer Bizepsverletzung genesen, es richten. Unsere Hymne kam , Frank riss die Fahnestange vom Wellenbrecher hoch und stöhnte auf vor Schmerz. Er griff sich an den gerade genesenen Oberarm,  brabbelte etwas von einem Geräusch und allen war klar: Der wedelt heute nicht mehr. Jetzt griff sich der Naui die Flagge und zeigte einiges Talent und große Begeisterungsfähigkeit. Herbeigerufen von der grenzenlosen Freude kam der Mark von den Blueboys und meinte zwei von uns sollen am Fanshoot teilnehmen. Der Lutz und ich brüllten: „Hier“ und nun schien es ein toller Abend zu werden. Leider hatten der Fatmir und der Krufter was dagegen und versauten so ein wenig die Stimmung. Der eine blökte seine eigenen Leute unflätig an, der andere wollte partout kein Tor schießen. Uns war das alles allerdings sowieso egal, wir hatten andere Probleme: Der Naui war fahnenflüchtig. Erst nur ein paar Meter und später war er ganz weg. Möglicherweise schämte er sich des desolaten Auftritts in der Halbzeit. Die Paulifans machen Kommerzscheiße wie den Fanshoot natürlich nicht mit, also schossen wir gegen irgendwelche anderen TuS-Fans.  Es war saukalt auf dem Spielfeld, der Rasen war ramponiert wie von einer Büffelherde und der RPR1-Dirk war ziemlich genervt. Das Schängelchen kam vorbei, gab uns allen die Pfote und kickte dann einen Ball am Tor vorbei. Der RPR1-Dirk rastete aus, vergriff sich verbal ziemlich und ich war froh, dass er nicht mit seinem Mikro nach dem Maskottchen schmiss. Sportlich war das ganze eine Debakel. Nachdem ich meinen Elfer souverän verwandelt hatte, versagten den anderen komplett die Nerven und wir gingen geschlagen und zur Strafe mit einer RPR1-Tüte vom Platz. Beim Stichwort Tüte ist zu sagen, dass das Wetter an diesem Abend ein wenig verrückt spielte und Nebelschwaden mehrfach  immer genau über dem Gästeblock hingen. Da hatten sogar wir Mitleid, allerdings nicht mehr nachdem wir ein verdammtes Gegentor bekommen hatten und alles irgendwie ein wenig trüber aussah. Im Block ergingen sich einige in Weltuntergangstheorien, die schlimmste Heulsuse stand direkt hinter mir. Als ich selber schon die Taschentücher rausgeholt hatte und an den Untergang des Abendlandes glaubte, schoss unser neuer albanischer Finne doch noch den Ausgleich und weil es so modern ist, ausgerechnet, möchte man sagen. Jetzt hatten wir Megadiskussionsstoff, ob wir nun froh sein müssten oder nicht und ich wärmte meine kalten Hände verstohlen an meinem neuen RPR1-T-Shirt in der Tüte und steckte die Taschentücher wieder ein.

Bodo

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